Wiedervorlage: Der Fall Kaupthing

Kaupthing Edge: Ende mit Schrecken?
Artikel vom 28. Juni 2009

Die von der Pleite der isländischen Kaupthing Bank gezeichneten deutschen Anleger können nach fast einem Jahr auf die Rückzahlung ihrer Gelder hoffen. Das zumindest behauptet die unter dem Namen "Kaupthing Edge" in Deutschland aufgetretene Kaupthing Bank auf Ihrer Homepage.
Eine Chronologie des Dramas.


von Christoph Schmitt
Frankfurt, 10. April 2008: Mit großer Verwunderung nehme ich zur Kenntnis, dass eine bislang unbekannte Bank in Deutschland den höchsten Zinssatz für Tagesgeld und Festgeld bietet: Es handelt sich um die isländische Kaupthing Bank, die in Deutschland unter dem Namen "Kaupthing Edge" auftritt.

Die viel zu hohen Zinsen führen dazu, dass ich über die Bank recherchiere. Meine Erkenntnisse sind bitter: Island ist Opfer der Finanzkrise geworden und isländische Banken stehen vor bislang nicht absehbaren Verbindlichkeiten. Unter dem Artikel "Isländische Banken in Not" warne ich auf tagesgeldkonto.de eindringlich vor einer Geldanlage bei einer isländischen Bank. 

Sommer 2008: Eine gigantische Medienkampagne startet. Funk, Fernsehen, Internet, Fußballstadien - die Kaupthing Edge ist überall dabei. Mit einem scheinbar unendlichen Werbeetat bewirbt die Bank ihre in Deutschland einzigen beiden Produkte: Tagesgeld und Festgeld. Auch tagesgeldkonto.de wurde angeboten, die Kaupthing Bank massiv zu bewerben. Die Vergütung betrug 10,- EUR für jeden Kontoeröffnungsantrag. Spezielle Logos extra für Vergleichstabellen wurden ebenso angeboten.

Statt die Kaupthing Edge in den Zinsvergleich von tagesgeldkonto.de aufzunehmen, habe ich im Juni 2008 erneut auf die Hintergründe der hohen Zinsen aufmerksam gemacht.

Andere sogenannte "Verbraucherportale" und "Verbraucherzeitschriften" sahen die Sache gänzlich anders. Es hagelte geradezu an Empfehlungen und Auszeichnungen für die Kaupthing Edge:Auszeichnungen für die Kaupthing Edge
Diese Auszeichnungen sind noch heute (Stand: 28. Juni 2009) unter dieser Adresse aufrufbar:
http://www.kaupthingedge.com/konto_eroffnen_b?utm_source=Biallo.de&utm_medium=Partner+site&utm_campaign=Biallo+partner+site


Oktober 2008 bis Juni 2009: Die deutschen Sparer bangen um Ihre Guthaben. Die Kaupthing Edge veröffentlicht auf ihrer Homepage Meldungen über den Stand der Entschädigung und wie sich die Kunden zu verhalten haben. Eine an sich lobenswerte Informationspolitik - doch was nützt diese, wenn keine Zahlung erfolgt?

Erst neun Monate später findet die Auszahlung an deutsche Anleger statt. Es darf als Ironie des Schicksaals bezeichnet werden, dass bei der Auszahlung der Spareinlagen die Zinsen - Hauptmotiv der deutschen Sparer, ein Konto bei Kaupthing zu eröffnen - nicht mitausgezahlt werden.

Ansprüche auf Zinsen kann man in einem späteren Verfahren, so die Kaupthing Edge, bei der Kaupthing Bank anmelden. tagesgeldkonto.de wirft an dieser Stelle ohne weitere Kommentierung die Frage auf, wie es mit der Haftung der oben abgebildeten Portale gegenüber den geschädigten Anlegern bestellt ist.


Journalismus, Verbraucherschutz & Co: Und was ist die Motivation?

Das Internet wird von den meisten Menschen als Vorteil angesehen: Hierzu tragen vornehmlich die Transparenz und Verfügbarkeit von Informationen bei. Doch der Fall Kaupthing zeigt auch sehr deutlich, dass ein richtiger Umgang mit dem Internet keine Selbstverständlichkeit ist.

Vielmehr bedarf es an einer "Grundausbildung" des Benutzers, bevor er auf das World Wide Web losgelassen wird. Eine der wichtigsten Bestandteile dieser Grundausbildung sollte es sein, den Menschen bei zu bringen, dass Informationen immer erst verifiziert werden müssen.

Es nützt nichts, wenn eines der oben genannten Internetportale bzw. eine "Fachzeitschrift" eine Auszeichnung verleiht - aber die Motivation der Portale/Zeitschriften, warum solche Auszeichnungen verliehen werden, nicht hinterfragt wird. Ein einfacher Ansatz im Umgang mit sogenannten "Verbraucherportale" wäre z.B. folgender: Wer genau steckt hinter dem Portal (Klick auf "Impressum") - ist der Betreiber eine Privatperson oder eine juristische Person (z.B. GmbH)?

Wenn es eine GmbH ist, womit verdient diese dann ihr Geld (hilfreich kann die Einsichtnahme des Jahresabschlusses unter http://www.unternehmensregister.de sein)? Schnell wird eines klar: Ohne Werbeeinnahmen würden viele Portale nicht existieren können. Natürlich gibt es auch Ausnahmen: So durfte ich neulich die Bekanntschaft machen mit dem Betreiber von tagesgeld.org - der in seiner Haupteigenschaft Student ist und sein Internetprojekt als Hobby betrachtet. 


Weitere Informationen:
Echter Journalismus ist selten - aber es gibt ihn noch: Aktuelle Notizen des Finanzjournalisten Andreas Kunze

 

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